Um die Realität des E-Commerce-Marktes zu verdeutlichen, haben wir ein Experiment durchgeführt: Eine Ausschreibung für einen Shop mit klar definierten Anforderungen. Das Ergebnis war überraschend – und lehrreich.
Die Anforderungen der Ausschreibung
15.000 ProdukteZum Teil mit Varianten wie Farbe und Größe
InternationalisierungDeutsch, Englisch, Französisch und Italienisch
DACH-RaumFokus auf Deutschland, Österreich und Schweiz
Warenwirtschafts-AnbindungVollständige Integration mit dem ERP-System
Ca. 4.000 Seitenaufrufe pro TagEntsprechende Performance-Anforderungen
Marketing-IntegrationAdWords, Google Analytics, Facebook Pixel
Kampagnen-Landingpages4 individuelle Landingpages für Marketing-Aktionen
Die Preisspanne der Angebote
Obwohl die Parameter klar vorgegeben waren, kam es zu enormen Unterschieden:
2.500 €–10.000 €
Oft Template-basierte Lösungen ohne individuelle Anpassungen
- Basis-Setup
- Standard-Theme
- Minimaler Support
15.000 €–40.000 €
Individuelle Anpassungen mit bewährten Erweiterungen
- Custom Design
- ERP-Anbindung
- SEO-Grundlagen
- Support-Paket
50.000 €–150.000 €
Vollständig maßgeschneiderte E-Commerce-Plattformen
- Komplett-Entwicklung
- Performance-Optimierung
- Schulungen
- 24/7 Support
Die Preise variieren je nach gewähltem Shopsystem, Umfang der Individualisierung und dem Dienstleister. Ein höherer Preis garantiert nicht automatisch bessere Qualität.
In relativ kurzer Zeit gab es 15 Angebote. Bei den Shopsystemen war alles vertreten: WooCommerce, Shopify, Magento, Shopware, JTL und noch zwei Exoten, bei denen selbst erfahrene E-Commerce-Experten googeln mussten.
Wer hätte gedacht, dass ein Shop mit klar definierten Anforderungen bei einem Anbieter nur 2.500 € kosten würde, beim teuersten Anbieter hingegen 150.000 €? Diese Preisspanne zeigt, wie wichtig fundierte Entscheidungen sind.
Die Gefahr falscher Sparsamkeit
Jetzt stehen Sie da und sollen sich für einen Anbieter entscheiden. Ein gutes Bauchgefühl ist angenehm, hilft aber nicht immer bei der richtigen Auswahl. Der Gedanke "Nur was Geld kostet, taugt auch was!" ist nicht grundsätzlich falsch – allerdings gibt es mittlerweile einige Anbieter, die sich zwar am Marktpreis orientieren, nicht jedoch an der zu erwartenden Leistung.
Das Worst-Case-Szenario
Im schlechtesten Fall haben Sie für einen soliden Shop bezahlt, aber nur eine lahme Krücke mit einer Tonne Fehler bekommen, die meist erst dann auffallen, wenn das System live steht und der Schaden bereits entstanden ist.
Neben dem Reputationsverlust kommen erneute Entwicklungskosten auf Sie zu, die Sie nur selten einfach und schnell auftreiben können. Zusätzlich kostet es Zeit, um den entstandenen Schaden zu deckeln.